„Bei den Kleinen ansetzen“

Netzwerken und mehr Vielfalt in Minden schaffen – darum ging es bei der siebten Demokratiekonferenz. Auch rechte Akteure in der Stadt waren ein Thema.

Weniger Bürokratie und mehr Kreativität – so wollen die Teilnehmer der Demokratiekonferenz künftige Projekte umsetzen. 70 Mitwirkende machten sich bei der siebten Auflage im Herder-Gymnasium in verschiedenen Workshops Gedanken darüber, wie das vorhandene Netzwerk weiter ausgebaut werden kann. Eingeladen hatte „Der Lokale Aktionsplan Minden“, vertreten durch die Stadt Minden und den Verein „Minden – Für Demokratie und Vielfalt“.

Die Teilnehmenden waren sich darin einig, dass mehr Öffentlichkeitsarbeit notwendig sei. „Wir müssen dahingehen, wo auch die Jugendlichen in Minden sind“, unterstrich Workshop-Leiter Benedikt Hanel.

Ein weiteres Ergebnis der Workshops war, dass mit der Demokratiearbeit bereits im Kindergarten angefangen werden sollte. „Es gibt viele Aktionen für Schulen und Jugendliche, aber bei den Kleinen ansetzen, kann Diversität fördern“, so die Leiterin Regine Bonk. Weitere wichtige Punkte seien Öffentlichkeitsarbeit in einfacher Sprache und für Menschen mit Migrationsgeschichte, Beratungsangebote zum Thema Cybermobbing oder Unterstützung beim Ausfüllen eines Projektantrages. „Die Idee war, dass dafür das Sozialpatenmodell adaptiert wird“, erklärte Regine Bonk.

Mitarbeitende der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus analysierten die Situation in Minden. Die Teilnehmenden hätten auf folgende Fragen Antworten gefunden: An welchen Stellen begegnen ihnen menschenverachtende Einstellungen? Welche externen (rechten) Akteure gibt es in der Stadt? Wer engagiert sich gegen solche Einstellungen? Welche Akteure könnten als Experten für Interviews relevant sein? Wie können Perspektiven von Betroffenen sichtbar gemacht werden und in die Analyse Eingang finden? „Das Wissen aus dem Workshop nutzen wir, um aus den Antworten in den kommenden Wochen ein Konzept zu machen“, erläuterte Michael Buhre.

Als „der Neue“ stellte sich Marcel Komusin vor. Er ist seit Anfang August Verantwortlicher für die Koordinations- und Fachstelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und kein unbekanntes Gesicht in Minden. „Ich war schon bei den Anti-Nazi-Demos 2006 und 2007 mit dabei und habe schon einiges miterlebt“, sagte der 36-jährige Erzieher. Er wisse, dass in Minden ein gutes und offenes Klima herrsche, an dem aber sicherlich noch weiterhin gearbeitet werden könne und müsse. „Ich bin mir aber sehr sicher, dass Nazis hier keinen Fuß auf den Boden bekommen, dafür setze ich mich weiterhin ein“, so Komusin.

Im Gespräch mit Moderator Michael Buhre zog er eine erste Bilanz: Durch die lange und kontinuierliche Arbeit, die in den vergangenen Jahren Karl-Heinz Ochs geleistet habe, sei in Minden bereits einiges auf die Beine gestellt worden. Die sehr lange Liste mit Kooperationspartnern mache das deutlich. Projekte und Aktionen, wie die Banner „Minden hat keinen Platz für Rassismus“, die Omas gegen Rechts, die Vortragsveranstaltung „Guter Hirte, braune Wölfe“, die Anne Frank-Ausstellung im Kinder- und Jugendkreativzentrum oder die Veranstaltungsreihe „Extrem normal“ vom Verein für Kultur & Kommunikation im Kulturzentrum BÜZ, zeigen das breite Spektrum der aktiven Unterstützer für die Demokratie.

„Mir persönlich ist es ein Anliegen, das Thema Antisemitismus weiter in den Fokus zu rücken. Ich möchte mich da noch deutlicher engagieren. Ich möchte auch den Bereich politische Bildung – sowohl für junge, wie auch ältere Menschen – weiter ausbauen. Aber dafür bin ich auf die Zusammenarbeit mit euch allen angewiesen. Kommt auf mich zu, lasst uns über Ideen sprechen und am Ende daraus ein gutes Projekt an den Start bringen“, ermunterte Komusin die Anwesenden.

Der Lokale Aktionsplan Minden (LAP) wurde 2011 ins Leben gerufen, um lokale Bündnisse gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu stärken. Seit dem 1. Januar 2015 steht das Motto „Demokratie leben!“ in Minden für die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an einer Partnerschaft für Demokratie. In einmal jährlich stattfindenden Demokratiekonferenzen hat jeder im Rahmen des Bundesprogramms die Gelegenheit, über Chancen und Herausforderungen sowie über die künftige Arbeit des Lokalen Aktionsplanes mit zu diskutieren. Die Ergebnisse sind im Handlungskonzept zusammengefasst, das vom Rat der Stadt legitimiert wurde.

 
 

Quelle: MT-Online