Herzlich willkommen!

Keine Ansichtssache(n)

Eine Fotoausstellung von Karl-Heinz Ochs

In den letzten Jahrzehnten habe ich mich immer wieder einmal mit der Fotokamera verschiedenen Themen zugewandt. Aber erst die digitale Fotografie und die damit verbundene Bearbeitungsmöglichkeit am Rechner macht es mir möglich, konzeptionell so zu arbeiten, dass ich die Möglichkeit habe, die eine oder andere Fotoserie in die Öffentlichkeit zu bringen.

Das war auch der Grund dafür, den Abend vor und den Tag nach meinem Marathonlauf am 25. 09. 2005 in Berlin dafür zu nutzen, Fotos vom Berliner DENKMAL FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS zu machen.

Ganz unterschiedliche Empfindungen hatte ich zu den verschiedenen Tageszeiten: In der Dunkelheit allein umgeben von den 2.711 Betonstelen, gelegentlichem Stimmengewirr, Schritten, plötzlich steht jemand neben dir oder du bemerkst erst im letzten Augenblick, dass andere Menschen in den Schluchten zwischen den Stelen (Grabsäulen; -tafeln) zu sehen sind. Kurz nur, dann verschwinden sie wieder dahinter. So ist es jedenfalls im mittleren Bereich des fast 4 Fußballfelder großen Areals, in dem Stelen z. T. mehr als vier Meter hoch sind, einen knappen Meter breit und fast 2,40 m lang. Anders als an den höher liegenden Rändern, wo es mit ganz flachen Stelen beginnt. Grau bis schwarz sehen sie aus im Schatten der Nacht, die Umrisse zeichnen sich ab im fahlen Licht oder vor den Lichtern des Adlon, der niedersächsischen Landesvertretung und anderen das Gelände umsäumenden Gebäuden und deren Beleuchtungen.

Am helllichten, regnerischen Tag: Ich sehe alles ganz anders, das nuancierte Grau der Stelen, die Gebäude rund herum, die Quadriga des Brandenburger Tores, dahinter die Glaskuppel des Reichstagsgebäudes, Regenwolken, lauter Verkehrslärm … Und ich spüre die für mich in Westdeutschland nach dem Krieg erlebte selbstverständliche Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, wo ich hinein- und hinausgehen will, wohin ich reisen will, was ich sagen will … Keine Mauer, keine elektrischen Stacheldrahtzäune, keine Wachtposten.

Es ist ästhetisch, dieses Denkmal. Es ist alles sehr exakt angeordnet, genau berechnet, ausdrücklich nicht alles senkrecht, sondern auch mit Neigungen von 0,5° bis 2°, trotzdem – sehr geordnet. Passt das alles so zu dem, an das es erinnern soll?

Assoziationen. Gedanken ordnen.
Ordnung. Recht. Recht und Ordnung. Unrecht. Ordnung im
Unrecht. Unrecht zu Recht erklärt. Alles sehr exakt. Alles
geordnet. Konsequent geordnet. Gnadenlos konsequent. Bis ins
Feuer. Von A bis Z sozusagen. Von Asche bis Zahngold.

Es ist gut, dass es dieses Denkmal gibt, das „auf jegliche Symbolik verzichtet“, aber nicht auf die damit verbundene „radikale Auseinandersetzung mit dem Begriff ‚Denkmal’“.

Einige Tage später: Reise nach Thüringen. Unter anderem nach Weimar. Große deutsche Geschichte. Goethe, Schiller, Bach, Cranach, Nietzsche, Liszt, Kessler, Feininger, Bauhaus, Weimarer Republik …

Auf der Rückfahrt liegt Buchenwald am Weg. Ganz schlechtes Wetter. Keine große Lust, mehr Pflichtgefühl, an der Gedenkstätte Halt zu machen. Dieses Eingangstor mit der Inschrift „Jedem das Seine“. Hineingehen. Ansehen. Ganz anders als Berlin. Nicht nur optisch. Ganz andere Empfindungen.
Schwer beschreibbar. Gänsehaut, flaues Gefühl im Magen. Ein Gebäude, ein hoher Schornstein sind zu sehen.
Assoziationen: Krematorien. Schornsteine, Stelen. Unterschiedliche Dimensionen, ähnliche Formen. Das ist die Verbindung für mich zwischen Berlin und Buchenwald. Und ein ganz wesentlicher Unterschied: Das Berliner Denkmal steht ausschließlich für die ermordeten Juden Europas. In
Buchenwald kamen neben Juden noch politische Gegner des Nazisystems, so genannte Kriminelle und Asoziale, Sinti und Roma und andere rassisch Verfolgte ums Leben. Die Berücksichtigung beider Orte in dieser Ausstellung soll an alle betroffenen „Opfergruppen“ erinnern.

Nimm die Kamera. Konzentrier dich auf das Wesentliche bei der Arbeit. Stell über die Form der Fotoobjekte einen ‚roten Faden’ her. Der Unterschied zwischen Gedenkstätte und Denkmal kann größer nicht sein. Im Gegensatz zu Berlin ist Buchenwald gar nicht ‚ästhetisch’, das Grauen ist allgegenwärtig, obwohl vieles gar nicht mehr vorhanden ist.

Die Form der Stelen sollen die Schornsteine der Krematorien assoziieren mit allem, was zur Systematik der gnadenlosen Vernichtungsmaschinerie pervers denkender und handelnder Leute und ihrer Helfershelfer gehörte.

Die sich aus unterschiedlichen Perspektiven fotografierten wiederholenden Objekte sind ein Versuch, den von den Tätern perfekt durchorganisierten Alltag und die Perspektivlosigkeit der Opfer mit den Mitteln der Fotografie umzusetzen.

Minden im März 2006

Karl-Heinz Ochs

 

Die Fotos incl. großer Rahmen können gern für Ausstellungen ausgeliehen werden.

Die zitierten Stellen habe ich den Prospekten der GEDENKSTÄTTE BUCHENWALD und des DENKMALS FÜR DIE ERMORDETEN JUDEN EUROPAS übernommen.

Öffnungszeiten

Der LAP-Treffpunkt ist derzeit wegen der Corona-Situation geschlossen.

Wir bitten dafür um Verständnis.

Bei Beratungsbedarf können weiterhin individuelle Gesprächstermine verabredet werden.

Wir bitten dazu um Ihre Kontaktaufnahme per E-Mail!

calendar, wall calendar, days

Aktuelle Termine

  • 21.03 2021 – Internationaler Tag gegen Rassismus – Stadtweit werden aus diesem Grund die Banner „Minden hat keinen Platz für Rassismus“ gezeigt.
  • 25.03 2021 – Begleitausschuss
  • 08.05.2021 „Ende des zweiten Weltkriegs“  – Stadtweit werden aus diesem Grund die Banner „Minden hat keinen Platz für Rassismus“ gezeigt.
  • 10.06.2021 – Begleitausschuss
  • 19.08.2021 – Begleitausschuss
  • 16.09.2021 – Demokratiekonferenz
  • 28.10.2021 – Begleitausschuss
  • 09.11.2021 „Zur Erinnerung an den Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung“ – Stadtweit werden aus diesem Grund die Banner „Minden hat keinen Platz für Rassismus“ gezeigt.

Fördermittel beantragen

Initiativen, Vereine und Verbände haben die Möglichkeit, ihre Ideen für gute Projekte einzubringen und diese über den LAP unterstützen zu lassen.

Förderanträge können bei der Koordinierungs- und Fachstelle des Lokalen Aktionsplans Minden (LAP), angesiedelt beim Verein „Minden – Für Demokratie und Vielfalt e. V.“, Alte Kirchstr. 1A, 32427 Minden gestellt werden.

Bei Bedarf stehen wir gern beratend zur Verfügung. Über die Förderfähigkeit der Anträge entscheidet der Begleitausschuss (BGA).  Um Ihnen eine frühestmögliche Planungssicherheit zu gewährleisten,  empfehlen wir die Übermittlung Ihres Antrages bis zu zwei Wochen vor dem jeweils nächsten Ausschusstermin.

Die vorgesehenen Sitzungstermine Termine für 2021 (Änderungen vorbehalten): 21.01.2021, 25.03 2021, 10.06.2021, 19.08.2021, 28.10.2021

Bitte übermitteln Sie uns Ihren Antrag per E-Mail an lap-minden@ewe.net

idea, empty, paper

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art. 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Unser Handlungskonzept 2020 - 2021

Das Handlungskonzept beschreibt die Rahmenbedingungen unserer Arbeit im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
Aus den Ergebnissen der jährlich stattfindenden Demokratiekonferenz wird das Konzept stetig fortgeschrieben.

people, men, women