Christlich-Muslimische Studienfahrt nach Duisburg

28. Januar 2012: Christlich-Muslimische Studienfahrt ein Erfolg

28. Januar 2012: Christlich-Muslimische Studienfahrt ein Erfolg

Die christlich-muslimische Studienfahrt am Samstag, 28. Januar 2012, bei frostigem Sonnenscheinwetter nach Duisburg Marxloh sollte die bisherigen guten Erfahrungen des Zusammenlebens zwischen Muslimen und Christen vertiefen. Dieser Meinung waren sowohl Superintendent Jürgen Tiemann als auch Mitorganisator Pastor Andreas Brügmann.
„Es gab mehr Anmeldungen als wir in dem Bus nach Duisburg mitnehmen konnten, das war für uns eine große Überraschung“ berichtete der Imam der türkischen Gemeinde in Minden Ahmet Güney, der die Fahrt ebenfalls mitorganisiert hatte. „Es war ein schöner Tag, und es würde mich freuen, wenn solche Fahrten öfter stattfinden.“ sagte er zum Abschluss.
Um 8 Uhr am Samstag fuhr der vollbesetzte Bus vom Treffpunkt Kanzlers Weide mit den 62 Teilnehmern nach Duisburg, wo sie zunächst in der Evangelischen Kreuzeskirche mitten im Zentrum vom Stadtteil Marxloh begrüßt wurden. Der dortige Pfarrer Hans-Peter Lauer informierte über die Kreuzkirche und die Entstehung des Stadtteils. Er referierte über die aktuelle soziale Lage des Stadtteils sowie über die kirchlichen und interkulturellen Aktivitäten in Marxloh.
Der Stadtteil ist auf die Gründung des ersten Stahlwerkes von Thyssen-Krupp im Jahr 1820 auf dem Landgut des Bauern Schulte-Marxloh zurückzuführen. Der Bergbau und das Stahlwerk zogen in sehr wenigen Jahren viele Zuwanderer an, die aus allen Regionen – vor allem aus den Ostgebieten bis Polen – kamen, um hier Arbeit zu suchen. 1905 wurde die Ev. Kreuzkirche gebaut. Es entwickelte sich ein reges Gemeindeleben. Heute liegt der Bevölkerungsanteil der evangelischen Christen nur noch bei 17 Prozent. Die Steinkohlezeche ist inzwischen stillgelegt. Das Stahlwerk mit 10.000 Beschäftigten gibt es noch.
In den letzten 50 Jahren zogen Menschen vor allem aus der Türkei hierher aber auch aus anderen Ländern, wie z.B. Libyen, Bulgarien und Rumänien. Die soziale Lage zwingt die Kirchen und Religionsgemeinschaften zum Umdenken, um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein. Kirchengebäude sind schon umgewidmet worden oder werden für diakonisch-soziale Arbeit genutzt. Es wird auch neu investiert, z.B. in den Ausbau von Kindergärten. Die Kooperation der Religionsgemeinschaften wird als wichtig angesehen. Die gut besuchten gemeinsamen Feste oder Gesprächsreihen zeugen vom Erfolg dieser Aktionen. Es geht dabei nicht nur um die Integration, sondern um auch um Inklusion, verstanden als Anerkennung und gegenseitige Wertschätzung, ohne die eigenen Positionen und Glaubensgrundsätze aufgeben zu müssen. In diesem Sinne ist man im Stadtteil auf einem guten Weg. In jeder Religionsgemeinschaft gibt es Arbeitskreise, in denen jeweils Vertreter anderer Religionen mitarbeiten.
Anschließend gingen die Teilnehmer über die Hauptverkehrsstraße des Stadtteils zur neuen Merkez- Moschee. Sie passierten etliche türkische Läden und moderne Brautmodengeschäfte.
Die Moschee gehört zur DITIB Gemeinde in Duisburg-Marxloh. Die Gemeinde wurde 1984 gegründet und hat heute rund 900 Mitglieder.Die DITIB Merkez Moschee hat sich zu einem Ort des interkulturellen und interreligiösen Austausches entwickelt. Sie wurde nach dreijähriger Bauzeit 2008 fertiggestellt. Ohne die vielen privaten Spenden wäre der Bau und der Erhalt der Moschee nicht möglich.
Der Innenraum ist prachtvoll mit Blumenmustern und Kaligrafien verziert. Er bietet 1300 Gläubigen Platz. Im unteren Gebetsraum können sich bis zu 1000 Männer und Jungen versammeln. Auf der darüberliegenden Empore ist Platz für 300 Frauen und Mädchen. Die Mindener Gruppe traf zum gerade stattfindenden Mittagsgebet ein. Anschließend war sie zum Mittagessen im Begegnungszentrum der Moschee eingeladen. Danach informierte ein junger islamischer Theologe über Ausstattung und religiöse Gebräuche in der Moschee. In den Gottesdiensten und Gebetszeiten wird nicht gesungen oder musiziert.

Gut informiert traf die Gruppe der christlich- muslimischen Studienfahrt wohlbehalten abends in Minden ein. Diese Studienfahrt wurde möglich durch die Unterstützung des Lokalen Aktionsplanes im Rahmen des Bundesprogrammes „Toleranz fördern – Kompetenzen stärken“.

Bericht und Fotos: Alfred Loschen

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